Grenzüberschreitungen. Nationalsozialismus und Holocaust als Argumente in der Nachrüstungsdebatte der 1980er Jahre. Vortrag von Eckart Conze

Ringvorlesung: "Grenzen des Kalten Krieges"

Do, 15.12.2016, 18:00
Humboldt-Universität zu Berlin
Hörsaal 1072
Unter den Linden 6
10117 Berlin
Deutschland

 

Bitte nutzen Sie den Eingang Universitätsstraße.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Der Eintritt ist frei.

 

 

Vor einem “atomaren Auschwitz“ warnten in den Jahren um 1980 zahlreiche Gegner nuklearer Rüstung. Heiner Geißler, Minister in der Regierung Kohl und CDU-Generalsekretär, behauptete 1983 hingegen, der Pazifismus der 1930er Jahre habe Auschwitz erst möglich gemacht. Überall in den Auseinandersetzungen über den NATO-Nachrüstungsbeschluss von 1979 und die Dynamik des atomaren Wettrüstens begegnet uns der Nationalsozialismus als Argument, der Holocaust als Metapher und als Vergleich. Obwohl NS-Bezüge schon seit 1945 zur politischen Sprache und Kommunikation in Deutschland gehörten, erreichte deren Verwendung seit etwa 1980 eine neue Dimension, die durch Grenzüberschreitungen und Tabubrüche charakterisiert war. Wie lässt sich diese Entgrenzung erklären? Können wir den Wandel der öffentlichen Erinnerung mit der massiven politischen Instrumentalisierung der Geschichte des Nationalsozialismus und insbesondere des Holocaust, gerade auch in der Nachrüstungsdebatte, korrelieren? Und welche Funktion hatten die NS-Bezüge in der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung über atomare Rüstung, die Friedensbewegung und den Kalten Krieg der 1980er Jahre?

Eckart Conze ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Marburg und dort Ko-Sprecher des Sonderforschungsbereichs “Dynamiken der Sicherheit“ sowie Direktor des Internationalen Forschungs- und Dokumentationszentrums Kriegsverbrecherprozesse (ICWC). Von 2005 bis 2010 war er Sprecher der Unabhängigen Historikerkommission zur Geschichte des Auswärtigen Amts in der Zeit des Nationalsozialismus und der frühen Bundesrepublik.

Moderiert wird der Vortrag von Prof. Dr. Elke Seefried, zweite stellvertretende Direktorin des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin.

Die Ringvorlesung "Grenzen des Kalten Krieges" ist eine gemeinsame Veranstaltung der Humboldt-Universität zu Berlin und des Berliner Kollegs Kalter Krieg. 

Wir weisen darauf hin, dass im Rahmen dieser Veranstaltung Foto- und Tonaufnahmen für öffentliche und nicht-öffentliche Zwecke gemacht werden können.