25.5.2016

Unter Polarforschern

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Bremerhaven, im Februar 2016: Zwei Tage unter Meeres- und Polarforschern im Deutschen Schifffahrtsmuseum. Wir sondieren in einem von der DFG geförderten Rundgespräch Möglichkeiten eines Forschungsprojekts zur Geschichte der Meeres- und Polarforschung, in das auch Historiker, Kultur- und Sozialwissenschaftler einbezogen werden sollen. Damit zielen wir zum einen auf eine innovative Wissens- und Wissenschaftsgeschichte, zum anderen aber auch auf die Geschichte des Kalten Krieges und der an ihm beteiligten Gesellschaften. Photo: French, Russian, and American scientists in the Vostok team photo with unprocessed ice cores before 1990, Todd Sowers, LDEO, Columbia University, Palisades, New York, Public DomainTatsächlich eröffnet sich hier ein Forschungsfeld, auf dem die Frage nach der Reichweite des Deutungs- und Ordnungsmusters "Kalter Krieg" besonders gut untersuchbar scheint. Denn einerseits war die Erschließung der Polarregionen in die Großkonjunkturen der Blockkonfrontation eingebettet: die Militarisierung der Arktis liefert hier ebenso Anschauungsmaterial wie die Kooperation in der Antarktis, die mit den Anfängen der Entspannungspolitik zusammenfiel und wesentliche Impulse für die Vereinbarungen über eine Demilitarisierung des Weltraums gab. Andererseits bieten sich erfahrungsgeschichtliche Zugriffe an, um lokale Praktiken der Wissenschaft mit globalen Wissensordnungen in Bezug zu setzen. Die Polarforscher hatten, so ihr heutiges Resümee, überhaupt keine Probleme damit, Equipment für das Überleben im Eis von der "Konkurrenz" zu kaufen oder vor Ort auf jede erdenkliche Art und Weise zu kooperieren und lokal geprägtes Wissen zu produzieren – den Austausch aller möglichen Daten eingeschlossen, weil nur so Erkenntnisgewinne gemacht werden konnten. Diese Austausch- und Spannungsverhältnisse systematischer und präziser als bisher auszumessen, wird für die Wissens- und Wissenschaftsgeschichte des Kalten Krieges von enormer Bedeutung sein. Auch werden die Grenzen des Kalten Krieges in mehrfacher Hinsicht ausgelotet.

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Gabriele Metzler ist Inhaberin des Lehrstuhls für die Geschichte Westeuropas und der Transatlantischen Beziehungen an der Humboldt-Universität zu Berlin und Direktorin des An-Instituts Centre Marc Bloch.

 


Zitierempfehlung:
Gabriele Metzler, Unter Polarforschern, 25.05.2016, http://berlinerkolleg.com/de/blog/unter-polarforschern (bitte fügen Sie in Klammern das Datum des letzten Aufrufs dieser Seite hinzu)

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