27.4.2016

Sophia Dafinger: Die Lehren des Luftkriegs

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Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war der Luftkrieg eine unbekannte Größe – an dessen Ende war klar, dass "air power" den modernen Krieg entscheidend verändert hatte. Die Grenze zwischen Zivilem und Militärischem verschwamm, da ebenso wie die Kriegswirtschaft und Infrastruktur des Feindes auch die kriegführenden Gesellschaften selbst zum Angriffsziel wurden. Die "Kriegsmoral" der Bevölkerung schien der Schlüssel zu einem schnellen Sieg zu sein, der die Leben der eigenen Soldaten schonte.

Photo: The Bottisham Four, four U.S. Army Air Force North American P-51 Mustang fighters from the 375th Fighter Squadron, 361st Fighter Group, from RAF Bottisham, Cambridgeshire (UK), in flight on 26 July 1944, gemeinfreiIn den USA bildeten sich zwischen Sozialwissenschaften, Militär und Politik daher Allianzen, die über das Kriegsende hinaus stabil blieben und die Kriege der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend prägten. Vom Zweiten Weltkrieg bis zum Zweiten Golfkrieg lassen sich Kontinuitäten, aber auch Brüche beobachten, die mit Interessenpolitik und technokratischen Tendenzen ebenso zu tun haben wie mit wissenschaftlicher Innovation. Welche Rolle dabei der Kalte Krieg spielte, ist eine zentrale Frage des Projekts. Die Geschichte der amerikanischen "defense intellectuals" erschließt die militärischen Auseinandersetzungen dieser Epoche auf neue Art und Weise und lenkt den Blick auf Denkstile, Lernprozesse und vergessenes Wissen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

In der Diskussion standen vier Forschungsdesiderata im Mittelpunkt: Erstens ist noch immer unklar, wo die Grenzen zwischen "politikberatenden" und "akademischen" Sozialwissenschaftlern verlief: Wer setzte im Laufe seiner Karriere welche Akzente? Kann zwischen beiden Tätigkeitsfeldern überhaupt sinnvoll unterschieden werden? Zweitens: Auf welchen Wegen und mit welchen Konsequenzen wurde akademisches Wissen an die Politik bzw. an das Militär weitergegeben? Welche "Übersetzungsprobleme" traten dabei auf? Drittens: Gab es einen transatlantischen Transfer sozialwissenschaftlichen "Kriegswissens"? Und viertens: Was lässt sich über die Deutungsmacht von "defense intellectuals" im akademischen und öffentlich-politischen Leben sagen? Welchen Einfluss hatten sie auf Fragestellungen, Denkstile und Debatten, auf Geschichts- und Selbstbilder?

 

Sophia Dafinger, M.A., promoviert am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Augsburg zum Thema "'Experten der Gewalt'. Wissenschaftliche Expertise für Krieg und Kriegsbewältigung nach 1945". Sie stellte ihr Projekt im Rahmen des 5. Brown Bag Breakfast des Berliner Kollegs Kalter Krieg am 5.4.2016 vor.

Dieses Brown Bag Breakfast war eine gemeinsame Veranstaltung des Berliner Kollegs Kalter Krieg und des Instituts für Zeitgeschichte München – Berlin.

 

Zitierempfehlung:
Sophia Dafinger, Sophia Dafinger: Die Lehren des Luftkriegs, 27.04.2016, http://berlinerkolleg.com/de/blog/sophia-dafinger-die-lehren-des-luftkriegs (bitte fügen Sie in Klammern das Datum des letzten Aufrufs dieser Seite hinzu)

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