9.2.2016

Ein Geist geht um in Arabien – Wie die Deutschen ihren Kommunismus in den Jemen brachten

Warum gerade Jemen? Was genau hatte die DDR dort, am Ende der Welt, im wahrsten Sinne des Wortes "zu suchen"? Und unter welchen Bedingungen konnte diese aus Mitteleuropa importierte Ideologie implementiert werden? Miriam Müllers interdisziplinäre Fallstudie zum intensiven Engagement der DDR im einzigen marxistisch-leninistischen Staat der arabischen Welt – der Volksrepublik Jemen – geht weit über diese Fragen hinaus. Denn sie argumentiert mit Bezug auf die gesamte arabische Welt gegen den noch immer vorherrschenden Konsens, es habe im Machtbereich der Sowjetunion keine eigenständige Außenpolitik des SED-Staates geben können. Für den Südjemen diagnostiziert Müller eine DDR-eigene Außenpolitik des State- und Nation-Buildings unter sozialistischen Vorzeichen, die weit über die drei von Müller selbst für die Länder des "Global South" identifizierten langfristigen Strategien Ost-Berlins hinauszielte: Als "Musterländle" habe die DDR ihr System als Blaupause im Südjemen übertragen wollen. In ihrem Buch zeichnet die Autorin detailliert das nur schwer vorstellbare Bild eines arabischen Staates, dessen Einheitspartei, Sicherheitsapparat, Jugend- und Frauenverbände, ja selbst die Kindergärten über mehr als eine Dekade hinweg nach dem Vorbild der DDR funktionierten.

Dr. Miriam Müller, Politik- und Islamwissenschaftlerin, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Sie stellte ihre Ende 2015 im transcript-Verlag erschienene Studie im Rahmen des 4. Brown Bag Breakfast des Berliner Kollegs am 9. Februar 2016 vor.

 

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