3.4.2017

Die ersten 100 Pfeile

"Wonderful. Thank you! Your Cold War Portal project is terrific, and we are excited to be included in it." – "Thank you very much, it looks great! All the best from LA." – "Many thanks for this brilliant job": Kommentare zum "Portal Kalter Krieg" auf der Website des Berliner Kollegs Kalter Krieg und damit zu einer virtuellen Plattform, die auf einer Weltkarte mit dem Kalten Krieg beschäftigte Einrichtungen vorstellt: Universitäre und außeruniversitäre Forschungsstellen, Stiftungen, Archive, Museen oder physische Hinterlassenschaften wie Atombunker, die bisweilen von Bürgerinitiativen in aufwändiger Arbeit für die Öffentlichkeit begehbar gemacht werden. Mittels diverser Rubriken und Suchfunktionen werden die Institutionen kategorisiert und samt ihrer Programmatik, Themen und Aktivitäten nutzerfreundlich präsentiert. Darüber hinaus bietet das Portal die Gelegenheit zur Vernetzung. Wer sich anmeldet, kann auf einer Profilseite in Bild und Text Eigenwerbung betreiben und mit anderen in Kontakt treten. Rote und schwarze Pfeile weisen den Weg.

Foto: Ausschnitt Portal Kalter Krieg MitteleuropaVor kurzem wurde der 100. Eintrag online gestellt – das Museum Konsperensi Asia-Afrika. 1980 gegründet, erinnert es an die Bandung-Konferenz von 1955. Damals versammelten sich 23 asiatische und sechs afrikanische Staaten, die durch eine enge Kooperation untereinander nicht nur die gerade gewonnene Unabhängigkeit von ehemaligen Kolonialmächten sichern, sondern sich auch gegen amerikanische bzw. sowjetische Einflussnahme wappnen wollten. Damit wurde zugleich der Anstoß zur späteren Bewegung der "Blockfreien" und zur politischen Selbstpositionierung der "Dritten Welt" gegeben.

Allerdings sind die Einträge bis jetzt noch keineswegs gleichmäßig verteilt. Die nördliche Halbkugel ist nach wie vor überrepräsentiert, beispielsweise mit dem Standort Berlin, mit den fünf Dependancen des Imperial War Museum in Großbritannien oder musealisierten Bunkeranlagen, die während eines Atomkrieges die politische Elite in Ost- und Westeuropa hätten schützen sollen. Im Fall von Afrika, Asien, Lateinamerika und Australien gestaltet sich die Akquise aus unterschiedlichen Gründen ungleich schwieriger, nicht zuletzt, weil in einigen Ländern historiographisch andere Schwerpunkte, z.B. die Dekolonisierung, gesetzt werden oder Sprachbarrieren im Wege stehen. Trotzdem sind wir zuversichtlich, viele dieser Lücken in absehbarer Zeit schließen zu können – spätestens mit Erscheinen des 200. Pfeils.

 

Sophie Lange, M.A., ist wissenschaftliche Hilfskraft am Berliner Kolleg Kalter Krieg und Doktorandin an der Humboldt-Universität zu Berlin.

 


Zitierempfehlung:
Sophie Lange, Die ersten 100 Pfeile, 03.04.2017, http://berlinerkolleg.com/de/blog/die-ersten-100-pfeile (bitte fügen Sie in Klammern das Datum des letzten Aufrufs dieser Seite hinzu)

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