21. Brown Bag Breakfast: Der Duft der Anderen. Eine olfaktorische Geschichte der deutschen Teilung

Projektvorstellung von Bodo Mrozek (Berlin)

Mi, 8.5.2019,
9:30 bis 11:00
Berliner Kolleg Kalter Krieg
Zimmerstraße 56
10117 Berlin
Deutschland

 

Teilnahme nur auf Einladung.

Die räumliche Teilung Deutschlands und der Kalte Krieg waren nicht nur politische Ereignisse. Aus Perspektive der sensory studies lassen sie sich als ein Prozess verstehen, der tief in die Chemie der Umwelt und sogar in die Biologie der Menschen eingriff. Gerade Gerüche waren ein zentrales Gebiet, auf dem Differenz sinnlich erfahren und artikuliert wurde. Das Projekt untersucht, wie nicht nur unterschiedliche smell scapes entstanden, sondern auch, wie sich die Sensibilitäten der Menschen veränderten – etwa im Verhältnis zu Lebensmitteln, Produkten und Industrielandschaften. Zentrale Untersuchungsgebiete sind Vergleiche von Geruchskonflikten, Abgaspolitiken sowie die Politisierung von Parfum- und Kosmetikindustrien. Der Untersuchungszeitraum umfasst die Phasen der politischen und der räumlichen Teilung, der osmotischen Angleichung während der „langen Wende“ sowie der erinnerungskulturellen Rekonstruktion während der Nachwendezeit, in der Gerüche ebenfalls eine wesentliche Rolle (etwa in „Ostalgie“ und „Westalgie“) spielen. Ziel des Projektes ist es damit, Erkenntnisse nicht nur über die alltags- und umweltgeschichtliche Tiefe der Teilung zu gewinnen, sondern auch über die zeitlich spezifische und politisch-kulturelle Bedingtheit der Sinne als Wahrnehmungsorgane zwischen Biologie und Kognition.
 

Bodo Mrozek ist z. Zt. Fellow am Berliner Kolleg Kalter Krieg. Seine Forschungsgebiete sind transnationale Kulturgeschichte, Vergleichende Geschichte des Kalten Krieges und Sinnesgeschichte. Er war Stipendiat der Deutschen Historischen Institute in Washington, Paris und London, am Max-Planck-Institut für Bildungforschung sowie Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF). Zuletzt vertrat er den Lehrstuhl für Theorie und Geschichte der Populären Musik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Soeben erschien "Jugend -- Pop -- Kultur. Eine transnationale Geschichte" (Berlin: Suhrkamp stw 2019).